Mit spitzer Feder …

Weihnachtszeit ist Kinderzeit. Oder anders formuliert: Weihnachten ist das Fest der Liebe für das innere Kind. Mir geht es jedenfalls so. Ich habe keine Kinder – aber ein sehr verspieltes inneres Kind. Die kleine Corinne freut sich jedes Jahr auf Weihnachten und all das Wunderbare, das damit verbunden ist, und das es zu entdecken gibt. Der richtige Weihnachtszauber, stellt sich erst ein, wenn ich Weihnachten mit dem inneren Kind oder mit meinen kleinen Neffen erlebe – zauberhafte Weihnachtsgeschichten lese oder erzähle, eintauche in das Lichtmeer, warmen Punsch trinke und vieles mehr. Rituale und Traditionen gehören für mich und mein inneres Kind zu Weihnachten – auch jetzt, wo ich mehr oder weniger alleine bin, die Eltern gestorben sind und meine Geschwister mit ihren Familien das Fest zelebrieren.
Ich und mein inneres Kind lieben es, die Wohnung weihnachtlich zu schmücken, die Tage bis Heiligabend zu zählen und jeden Tag im Seelentagebuch eine Adventsseite zu gestalten. Wir lieben es, Geschenke für meine kleinen Neffen und Geschwister einzupacken, Kerzen anzuzünden und mit dem Aromadiffuser die ganze Wohnung in einen winterlichen Kiefern- und Tannenwald einzuhüllen. Auch der Weihnachtsgottesdienst ist ein wichtiger Höhepunkt. Doch das grösste Geschenk sind die glänzenden Augen der Kinder zu Weihnachten – sie geben dem ganzen Weihnachtsfest einen ganz eigenen Sinn. Weihnachten mit meinen Neffen ist einfach zauberhaft!
Wenn man Weihnachten mit Kindern oder eben dem inneren Kind feiert – denn in unseren Herzen und in unserer Seele sind wir an Weihnachten doch alle irgendwie Kinder –, ist man selbst ganz verzaubert und fühlt sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Man erinnert sich daran, wie viel Mühe man sich mit den Wunschzetteln gegeben hat – es könnte ja sein, dass der Weihnachtsmann noch ein Extrageschenk rausrückt, wenn man den Wunschzettel besonders schön verziert hat. Erinnerungen kommen hoch, wie quälend langsam die Stunden am Heiligen Abend verrannen, wie man aus dem Fenster schaute, um den Weihnachtsmann noch zu sehen und wie das Wohnzimmer im warmen Kerzenschein leuchtete.
Kürzlich ging ich auf meinem Arbeitsweg in Bern wieder am Spielwarengeschäft vorbei. Im Schaufenster hingen verschiedene Adventskalender – einer schöner als der andere mit nostalgischen Motiven mit ganz viel Glitzer und Glimmer. Ein Blickfang für mein inneres Kind. Ich blieb stehen und überlegte mir, welchen Adventskalender würde ich kaufen. Und wie als Kind konnte ich mich nicht entscheiden. Und wie damals als Kind bleibe ich jeden Tag, wenn ich vorbeispaziere vor dem Schaufenster stehen und bestaune mit grossen Augen die glimmrige Adventswelt. Dabei schiessen mir tausend Kindheitserinnerungen durch den Kopf und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Ebenso, als ich bei Manor im Schaufenster die grossen Teddybären entdeckte. Sie erinnerten mich an den grossen, braunen Bären im Coop in Langenthal vor 40 Jahren. Mein Schulweg führte daran vorbei und ich besuchte den Bären jeden Tag bis er nicht mehr da war. Ich war extrem enttäuscht – eine kleine Welt brach zusammen. Umso grösser war die Freude, als ich ihn bei der Bescherung unter dem Tannenbaum bei uns zu Haus entdeckte. Ich nannte ihn Sonja. Leider ist er im Lauf der Jahre irgendwie abhandengekommen und ich entdeckte ihn beim Räumen des Elternhauses nicht mehr – ich traure ihm immer noch nach.
Weihnachten aus der Perspektive der Kinder – solche Kindheitserinnerung sind für mich der grösste Zauber von Weihnachten und füllen mein Herz immer wieder aufs Neue mit ganz viele Liebe, Achtsamkeit, Nostalgie, Dankbarkeit und Demut. Sie geben mir zugleich ganz viel Hoffnung. Erinnerungen sind unvergänglich, niemand kann sie uns nehmen und sie zeigen uns, wie die strahlenden Augen der Kinder, um was es bei dem Fest eigentlich geht – Nächstenliebe, Begeisterung, Neugierde und Ehrlichkeit.
Herzlichst,
Ihre Corinne Remund
Verlagsredaktorin






